Ratgeber
Warum ist mein Brillenglas dick – und wo?
Das hängt davon ab, ob du kurz- oder weitsichtig bist. Minusgläser (Kurzsichtigkeit) sind in der Mitte dünn und werden zum Rand hin dick. Plusgläser (Weitsichtigkeit) sind umgekehrt in der Mitte am dicksten. Wie das zustande kommt, siehst du am besten an einem übertrieben großen Glas.
Querschnitt von oben gesehen, im echten Maßstab. Oben die Vorderseite, unten die Seite zum Auge. Standardglas mit Brechzahl 1,5. Dass das Rohglas so gewölbt aussieht, liegt nur an seiner übertriebenen Größe: Die Vorderfläche ist so flach wie bei heutigen Gläsern, über 120 mm summiert sich aber auch eine flache Wölbung.
Kurzsichtig:
Die Mitte ist immer dünn, dick wird nur der Rand – und der Schleifer nimmt genau den dicken Rand weg. Für Kurzsichtige ist die Größe des Rohglases egal. Was zählt, ist die Fassung: Je kleiner das Glas in der Fassung, desto dünner der Rand.
Weitsichtig:
Hier ist es umgekehrt: Das große Rohglas ist in der Mitte dick, und genau diese Mitte bleibt beim Einschleifen stehen. Darum muss ein Plusglas aus einem Rohglas kommen, das nur so groß ist, wie die Fassung es braucht. Und auch dann gilt: Je größer das Glas in der Fassung, desto dicker die Mitte.
Höhere Brechzahl: gleiche Wirkung, flachere Flächen
Ein Material mit höherer Brechzahl lenkt das Licht stärker ab. Für dieselbe Wirkung müssen die Flächen deshalb weniger gewölbt sein – und ein flacheres Glas ist dünner. Gleiche Stärke, gleiche Fassung, vier Materialien:
Die Mindest-Mittendicke bei Minusgläsern hängt ebenfalls am Material (1,50: 2,0 mm bis 1,74: 1,2 mm). Unterschiede in Gewicht und Preis sind hier nicht dargestellt.
Was wir dafür tun
Wir bestellen jedes Glas im kleinsten Durchmesser, der für deine Fassung und deine Pupillendistanz reicht – nicht größer. Bei der Glaswahl rechnen wir mit deinen Werten und der echten Form deiner Fassung aus, wie dick dein Glas ungefähr wird, und empfehlen ein dünneres Material nur, wenn es spürbar etwas bringt.
Was dein Glas zusätzlich dünner macht
- Kleinere Fassung – bei Minus der wirksamste Hebel, bei Plus ebenso.
- Passende Pupillendistanz: Das Glas wird so eingeschliffen, dass seine Mitte vor deiner Pupille liegt. Ist die Fassung viel breiter als dein Augenabstand, liegt viel Glas an der Schläfenseite – dort wird ein Minusglas am dicksten.
- Höhere Brechzahl (1,60, 1,67, 1,74): Das Material bricht das Licht stärker, die Flächen werden flacher.
- Asphärische Gläser sind zusätzlich flacher gebaut.
Die Grafik ist vereinfacht: runde Gläser, ohne Zylinder (Hornhautverkrümmung). Echte Rohgläser sind 60 bis 80 mm groß – die 120 mm machen den Unterschied nur besser sichtbar.